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Rokoko



Anzahl Spieler

Für 2 bis 4 Spieler
ab 12 Jahre


Spieldauer

Ca. 60 bis 90 Minuten


Bewertung (max. 10)

8 Punkte (HOlg)



Verlag

eggertspiele
eggertspiele


Autor

Matthias Cramer,
Louis und Stefan Malz


Bild



Sonstiges:

Das Rokoko entwickelte sich aus dem Spätbarock, hatte seinen Ausgangspunkt in Frankreich und brachte eine Verfeinerung des gesamten höfischen Lebens mit sich. Aufwändige Bälle wurden veranstaltet und am französischen Hof entstand eine Kleidermode, dich sich in ganz Europa ausgebreitet hat. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich im Spiel Rokoko aus dem Hause Eggert alles um die Ausrichtung eines Balles mit allem was dazugehört dreht und die Spieler nicht nur für die Bereitstellung der passenden Garderobe für die Gäste zuständig sind, sondern auch für die musikalische Untermalung, die dekorative Gestaltung der Ballsäle und das große Abschlussfeuerwerk am Ende verantwortlich sind.

Eventplaner dürfte die Rollen der zwei bis fünf Mitspieler am ehesten beschreiben, auch wenn die Spielanleitung "nur" von der Leitung eines Schneidereibetriebes durch die Spieler spricht, der am Ende der Veranstaltung durch seinen Beitrag zum Fest möglichst viel Ansehen erworben haben will. Fünf Arbeiter sind in den Schneidereien der Spieler anfangs beschäftigt und werden in Form von Karten dargestellt, mit denen die vielschichtigen Aufgaben wahrgenommen werden müssen. 15 Livre Startkapital, einmal Spitze und einmal Garn in Form von weißen bzw. grauen Holzsteinchen runden die Ausgangssituation der Spieler ab.

Der Spielplan zeigt nicht nur die fünf Ballsäle und die Terrasse, von der aus sich das Abschlussfeuerwerk am besten beobachten lässt, sondern auch das Lagerhaus, in dem sich die Spieler die für die Kleider benötigten Stoffe und sonstigen Materialien besorgen können, und natürlich die Schneiderei, in der auf neun Positionen die zufällig aus einem Stoffbeutel gezogenen Kleiderwünsche potentieller Gäste ausliegen. Diese Plättchen zeigen auf der einen Seite das fertige Kleidungsstück, auf der anderen Seite die benötigten Stoffe und liegen im Bereich der Schneiderei natürlich mit ihrer "unfertigen" Seite nach oben aus.
Darüber hinaus sind noch ein Gunstfeld, über das man sich die Position des Startspielers für die kommende Runde sichern kann, und mehrere Einstellungsfelder zu finden, bei denen in jeder Runde vier neue Mitarbeiter ausliegen. Diese können durch die Schneidereibetriebe angeheuert werden um das Mitarbeiterteam zu verstärken und dadurch letztlich mehr Aktionen flexibler nutzen zu können.

Aus seinen Arbeitern wählt jeder Spieler zu Beginn einer jeden Runde drei Arbeiter aus, mit denen die laufende Runde bestritten werden soll. Dabei ist einiges zu beachten, denn nicht jeder Arbeiter kann jede Aktion ausführen und einmal verwendete Arbeiter stehen erst dann wieder zur Verfügung, wenn der Arbeitervorrat komplett eingesetzt wurde. Die Aktion "Arbeiter einstellen" beispielsweise, die einem gegen eine von der Anzahl der noch zur Verfügung stehenden Arbeitern abhängigen Gebühr einen zusätzlichen, noch in der laufenden Runde einsetzbaren neuen Mitarbeiter beschert, darf nur mit einem Meister ausgeführt werden während die "Gunst der Königin", die einem das Startspielerrecht für die kommende Runde gewährt, auch mit einem Gesellen erworben werden kann. Der Erwerb von Stoffen, deren Preise von der Anzahl der angebotenen Stoffe einer Auslage abhängen, oder die Finanzierung von Ausstattung für den Ball, also Musiker, Statuen, Brunnen oder Feuerwerke, die in den Ballsälen bzw. auf der Terrasse zu finden sind, sind einfachere Tätigkeiten, die auch von einem Lehrling geleistet werden können.

Darüber hinaus kann man einen Mitarbeiter auch an den Hof des Königs entsenden. Dort verweilt er dann für den Rest des Spiels, d.h. er ist quasi aus dem Spiel und kann nicht mehr genutzt werden, bringt dafür aber seinem Arbeitgeber in Abhängigkeit von seinem Rang (Lehrling, Geselle, Meister) 4, 7 oder 10 Livre in die Kasse. Eine schnelle und einfache Möglichkeit an dringend benötigte Finanzmittel zu kommen, die dafür aber dauerhaft die Anzahl an Arbeitern verringert.

Etwas differenzierte ist die Sache beim Schneidern von Kleidungsstücken. Grundsätzlich benötigt es dafür einen Meister oder zumindest einen Gesellen, doch einige Kleider zeigen neben den benötigten Stoffen auch einen goldenen Fingerhut, der das Herstellen dieses Kleidungsstücks als eine besonders schwierige Angelegenheit kennzeichnet, für die nur ein Meister in Frage kommt.

Ein weiterer Punkt, der bei der Auswahl der Arbeiter für eine Spielrunde beachtet werden sollte, ist der Arbeiterbonus. Etliche der Arbeiterkarten zeigen im unteren Bereich eine Bonusaktion, die immer dann ausgeführt werden darf, wenn dieser Arbeiter für eine Aktion eingesetzt und diese Aktion durchgeführt wurde. Diese Bonusaktionen sind nicht zu unterschätzen, bringen sie einem doch Geld, günstige Einkaufsmöglichkeiten von Stoffen oder Materialien, Ansehenspunkte für bestimmte erreichte Ziele, beispielsweise 1 Ansehenspunkt für je zwei finanzierte Ausstattungen usw.
Einige Arbeiterboni bringen ihre Ansehenspunkte auch nur einmalig und erst in der Schlusswertung, dafür fallen diese dann aber meist deutlich höher aus, zumindest wenn man sich bemüht hat, die geforderten Ziele so gut wie möglich umzusetzen.

Mit der Auswahl seiner drei Mitarbeiter für eine Runde werden also bereits die Weichen für die kommende Runde gestellt. Beginnend mit dem Startspieler setzt reihum jeder einen Mitarbeiter ein, indem er die entsprechende Mitarbeiterkarte ausgespielt. Anschließend wählt und führt er eine passende Aktion und anschließend die ggf. vorhandene Bonusaktion aus und legt den Mitarbeiter schließlich auf seinen Ablagestapel. Das geht reihum, bis alle Spieler alle ihre Mitarbeiter, evtl. auch die in der laufenden Runde neu angeheuerte Arbeiter, ausgespielt haben.

Eine der wichtigsten Aktionsmöglichkeiten dabei ist das Schneidern von Kleidungsstücken, auf die ich nochmal einen genaueren Blick werfen will. Wer an der Reihe ist, einen Meister oder zumindest einen Gesellen für die Aktion "Kleid schneidern" einsetzt, muss zunächst ggf. einen Geldbetrag zahlen, um das gewünschte Kleidungsstück überhaupt schneidern zu dürfen. Die Höhe dieses Geldbetrages ist dabei abhängig von der Position des gewählten Kleidungsstückes in der Auslage. Während die beiden Kleider ganz rechts in der Auslage kostenlos geschneidert werden dürfen, steigt der Betrag immer weiter an, je weiter links man in der Auslage auswählen will.
"Teure" Kleider(-vorlagen) werden, sofern sie nicht gewählt wurden, in den nächsten Runden normalerweise aber immer günstiger, da evtl. entstandene Lücken in der Auslage erst durch neue Kleiderplättchen geschlossen werden, wenn alle noch ausliegenden Kleiderplättchen soweit als möglich nach rechts aufgerückt sind.

Nach der also evtl. anfallenden Gebühr für das Schneidern müssen anschließend natürlich auch die geforderten Materialien abgegeben werden, also Stoffe in den angegebenen Farben, ggf. auch Spitze und Garn. Das fertige Kleidungsstück wird anschließend sofort entweder verkauft oder verliehen. Ein Verkauf bedeutet, dass das Kleidungsstück aus dem Spiel ist und am Ende keine Ansehenspunkte einbringt, dafür aber sofort Geld in Höhe des auf dem Kleidungsplättchen angegebenen Wertes in die Kasse spült.
Verleihen bedeutet, dass zwar kein Geld verdient ist, das Kleidungsstück aber an einen Gast des Balls verliehen, d.h. mit einem Marker des entsprechenden Spielers markiert auf einem Ablagefeld eines Ballsaals auf dem Spielplan abgelegt wird. Dort bringt es dann die auf dem Kleidungsstück angegebenen Ansehenspunkte am Ende des Spiels.
Geld oder Punkte, keine leichte Entscheidung wenn man bedenkt, dass die Ansehenspunkte letztlich über Sieg und Niederlage entscheiden, Geld aber dringend für den Erwerb von Stoffen, Garn und Spitze benötigt wird und nur wenige alternative Einnahmequellen zur Verfügung stehen. Das Entsenden von Mitarbeitern bringt zwar Geld, der Arbeiter ist allerdings verloren und die regelmäßigen Einnahmen am Ende einer Runde sind zwar vorhanden doch recht überschaubar, auch wenn sie sich durch Mitfinanzieren des Ausstattungsstücks Brunnen etwas erhöhen lassen.

Verleiht man Kleidungsstücke, versucht man diese Gäste nach Möglichkeit im Thronsaal unterzubringen, denn von da aus besteht die Möglichkeit rechtzeitig zum Feuerwerk auf die Terrasse zu wechseln, was die Punkte für das Kleiderplättchen vervielfacht. Voraussetzung ist dabei allerdings, dass der entsprechende Spieler auch eine Feuerwerksausstattung auf der Terrasse gesponsert hat, die ihm den entsprechenden Platz auf der Terrasse sichert.
In den anderen Ballsälen gilt es vor allem darauf zu achten sich Mehrheiten zu sichern, denn die bringen bei der Schlusswertung, nach sieben Spielrunden, Bonuspunkte, die man natürlich gerne mitnimmt.

Aber nicht nur die an Gäste verliehenen Kleider bringen den Spielern am Ende Ansehenspunkte. Die Gunstkarte, die normalerweise das Startspielerrecht gewährt, bringt bei Spielende 3 Ansehenspunkte, je 10 Livre bringen einen weiteren Ansehenspunkt und auch einige der evtl. angeheuerten Arbeiter bringen durch ihren einmaligen Arbeiterbonus bei Spielende nochmal ordentlich Ansehen genauso wie Statuen, zumindest wenn man möglichst oft Sätze aus vier Kleidern in allen vier Farben in den Ballsälen unterbringen konnte.
Sind alle Punkte abgerechnet weiß jeder Spieler, wie viel Ansehen ihm sein Beitrag zum Gelingen des Balls eingebracht hat und welcher Scheidereibetrieb dabei am erfolgreichsten war.

Rokoko ist aus meiner Sicht nicht die leichte Kost die man möglicherweise zunächst dahinter vermutet. Ressourcenmanagement, Deckbuilding, Workerplacement, all diese bewährten Mechanismen kommen hier zum Einsatz, kombiniert mit einem relativ geringen Glücksfaktor und das könnte Gelegenheitsspieler möglicherweise überfordern.

Zahlreiche Entscheidungen sind immer wieder zu treffen, bei denen es auch sehr oft auf das richtige Timing ankommt. Lohnt es sich noch seine Kleider zu verkaufen um seine Finanzen aufzubessern oder sind jetzt die Ansehenspunkte wichtiger, da das Spielende naht und/oder immer mehr Plätze in den Ballsälen besetzt sind? Schneidere ich das Kleidungsstück schon in dieser Runde, obwohl eine teure Gebühr zu zahlen ist, oder warte ich noch eine Runde, in der Hoffnung dass es günstiger wird.
Aber habe ich in der nächsten Runde überhaupt den möglicherweise benötigten Meister zur Hand? Oder hat die Konkurrenz ebenfalls ein Auge auf dieses Kleidungsstück geworfen und schnappt es mir am Ende noch vor der Nase weg? All das sind Fragen mit denen die Spieler Runde für Runde konfrontiert werden.

Abgerundet wird das Ganze durch ein unverbrauchtes und stimmiges Thema, das auch optisch äußerst ansprechend umgesetzt und einwandfrei ausgestattet ist. Zugegeben, Rokoko strotz nicht vor Innovation, aber das ist aus meiner Sicht auch wirklich das einzige, das man dem Spiel vorwerfen könnte, wollte man denn auf hohem Niveau jammern. Mir hat Rokoko sehr gut gefallen und mir scheint auch genügend Langzeitmotivation geboten zu sein, dass sich das in absehbarer Zeit auch nicht ändert.

Vielen Dank an eggertspiele für das Rezensionsexemplar!


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